Christoph Kivelitz

Umwegereiche Stationen im Labyrinth

Hundefaenger und Rolf A. Burkart – Land-Art und Arbeiten auf Papier

Bochumer Kulturrat, 7. Mai – 5. Juni 2004

Leben und Tod, Sich-Orientieren und Aufbrüche, zwischen diesen drei Polen entfaltet sich das Projekt von Hundefaenger und RAB im Kultur-Magazin Lothringen. Die Ausstellung knüpft an die vorhergehenden Projekte mit dem Bochumer Künstler Hundefaenger (Karl Rudi Domidian) an und nimmt diese als work-in-progress auf. Nachdem vor zwei Jahren in einer Rauminstallation aus Fotografien und Stangenholz ein Überblick über die Walk-Lines von Hundefaenger gegeben wurde, hat der Künstler im vergangen Jahr dazu eingeladen, den nahe gelegenen Gysenberger Busch zu begehen, um – verborgen im Unterholz – seine künstlerischen Eingriffe zu entdecken.

Diese Erkundigungen setzen sich in der aktuellen Ausstellung fort und entwickeln sich in der Zusammenarbeit mit dem Künstlerkollegen RAB (Rolf A. Burkart) aus Bad Kreuznach weiter. Beide Künstler finden Anregungen zu ihrer künstlerischen Arbeit auf Reisen, in Dingen, die aufgelesen, zeichnerisch oder fotografisch aufgenommen wurden. Relikte natürlicher und historischer Entwicklungen, Symbole, Zeichen und Spuren menschlichen Lebens werden wahrgenommen, tastend erforscht und begriffen, um dann in neue Anordnungen gebracht zu werden. Im Ausstellungskontext verweben sie sich zu einem labyrinthischen Geflecht, das den Betrachter in die persönliche Auseinandersetzung der beiden Künstler einbezieht und ihn hierüber an einem interkulturellen Austausch Anteil nehmen lässt.

Umwegereiche Stationen im Labyrinth: Gleichsam labyrinthisch werden die kleinteiligen Räume der Galerie des Bochumer Kulturrats verknüpft. Nucleus der gemeinsamen Arbeit und Angelpunkt der Ausstellung ist die Installation im schreinartigen Kellerraum, in der frühere gemeinsame Arbeiten aus Ingelheim neu aufgenommen und ausgedeutet werden. In Umkehrung der ursprünglich geschaffenen Architekturform, einer aus Stangenhölzern und einem grafisch gestalteten Transparent errichteten begehbaren Behausung, wird hier ein begehbarer Raum wie durch eine Barriere verstellt, in seinen begrenzten Dimensionen aufgesprengt und auf eine Tiefenerfahrung ausgerichtet. Die Hölzer scheinen das Kabinett wie wuchernde Tentakel auszuloten, gegen die Wände vorzustoßen, um die gegebenen Grenzen zu durchstoßen und über sich selbst hinauszuwachsen. Das Transparent formt sich zu einem brunnenartigen Trichter, in dem der Boden sich strudelartig aufzulösen scheint, um den Betrachter imaginär in die Tiefe der sich unter dem Gebäude erstreckenden Schachtanlage zu versenken. Es geht hier um die Vergegenwärtigung des Unsichtbaren, einer letztlich nicht vorstellbaren Größe, die auch in Zeichnungen und Fragmenten aus philosophischen Texten nur vage umrissen wird. Der körperlich zu erlebende Tiefensog verbindet sich auf spiritueller Ebene mit einer Sinnsuche, dem Bestreben die letzten Gründe unseres Seins zu erfassen.

Auch im größeren Kellerraum geht es um das Bemühungen, Eingrenzungen als Widerstand erfahrbar werden zu lassen und zumindest symbolisch zu überwinden. Eine Nische ist vollständig, vom Boden bis zu Decke, durch Bündel von Stangenholz ausgefüllt. Das dem Wald entnommene und gebündelte Material wird in eine Lagersituation gebracht, wodurch die dem Holz innewohnende Kraft eine extreme Verdichtung erfährt. Die eigentlich periphere Raumsituation gewinnt eine außerordentliche Präsenz. Die Hölzer scheinen aus einer kaum abschätzbaren Tiefe in den Raum einzudringen und diesen dynamisch aufzuladen. Als Sinnbild für den natürlichen Lebenszyklus von Werden und Vergehen vergegenwärtigt sich hier gleichzeitig die historische Dimension des Ortes, seine vormalige industrielle Nutzung.

Die Spanne von Leben und Tod berührt auch die Werkgruppe der Dono-Kreuze von RAB. Er berührt hiermit einen Brauch der Dogon, einer Stammeskultur in Mali, demzufolge ein aus Holz geformtes Sitzkreuz den Lebensweg eines jeden Neugeborenen begleitet, um bei seinem Tod vernichtet zu werden. Dieses Schicksal ereilt auch die Kreuze, die Rolf A. Burkart in Erinnerung an Menschen, die ihm auf der Reise nach Mali begegnet sind, geschaffen hat. Bei deren Tod bleibt allein die grafische Darstellung, in der die Gestalt des jeweiligen Menschen in Form und Farbe aufgehoben und in eine andere Wirklichkeit entrückt ist.

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- Bilder von Hundefaenger aus der Ausstellung

link Website von Hundefaenger

link Website von Rolf A. Burkart